Silos sind sinnvoll – aber nur in der Landwirtschaft!

Silos
Ich weiß es gibt Begriffe und Schlagworte, oder noch besser gesagt „Buzzwords“ (ein Begriff der selbst an sich schon irgendwie nervt!), die man eigentlich nicht mehr hören kann. Im Bezug auf den Omnichannel Stack, wie es die Kollegen der Real Story Group gerne nennen, ist eines dieser Buzzwords mit Sicherheit „Silos“. Silos sind mir sehr gut aus meiner Kindheit bekannt. In meiner niederbayrisch, landwirtschaftlich geprägten Heimat waren Silos allgegenwärtig. Jeder Bauer, oh Verzeihung Landwirt, nannte mehrere Silos sein Eigen. Diese auffälligen Türme dienten sogar manchem als Statussymbol (neben dem altbewährtem Mercedes „Strich 8“ mit dem man Sonntags zur Messe fuhr..). Je mehr und je höher die Silos waren, desto mehr Besitz nannte der Bauer sein eigen. Na ja nun ändern sich die Zeiten und die Statussymbole der niederbayerischen Landwirtschaft sind heute weniger Silos, als vielmehr Biogasanlagen. Finden kann man allerdings diese Silos nach wie vor, sowohl in der Landwirtschaft, als auch an anderer Stelle. Während diese Silos in der Landwirtschaft nach wie vor ihre Berechtigung haben, sind sie anderen Ortes mittlerweile verpönt und dies zu Recht!
Die Silos, die ich meine, sind in Silos denkende Abteilungen
und isolierte Softwarelösungen, die Unternehmen daran hindern eine begeisternde, stimmige und konsistente Customer Journey (nächstes Buzzword!!!) für ihre Kunden zu kreieren.
Nun muss man zugeben, dass diese Silos in den letzten Jahren durchaus weniger geworden sind, allerdings existieren sie nicht nur weiterhin in den Systemlandschaften, sondern auch in den Köpfen und Abteilungen mancher Unternehmen. Hierzu ein kleiner Erfahrungsbericht meinerseits:
Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich eine Anfrage auf dem Tisch liegen: Als Consultant sollte ich ein namhaftes Industrieunternehmen dabei beraten eine Metadatenstruktur für ihre digitalen Assets zu entwickeln. Eigentlich eine herausfordernde und interessante Tätigkeit. Bei einem ersten Online Meeting, fragte ich dann kurz nach dem System in welchem sie diese Metadatentaxonomie den abbilden wollen. Existiert dies bereits, oder soll unsere Arbeit die Grundlage für die Anschaffung eines solchen Systems bilden? Zu meiner großen Verwunderung wurde mir mitgeteilt, dass eine andere Abteilung im Unternehmen bereits mit der Ausschreibung für ein neues MAM/DAM/Marketingcontent System beschäftigt ist. Unsere Arbeit habe nichts mit dieser Ausschreibung zu tun und wird auch nicht als Bestandteil dieser angesehen. Gut nun wurde meine Verwunderung und auch mein Entsetzen größer: Eine Abteilung soll die Metadatentaxonomie entwickeln für ein System, das sie nicht kennen wird und mit deren Auswahlprozess sie auch nichts zu tun hat?! Ich denke dies ist die klassische Art von Silo „Denken“, die in vielen sehr großen Unternehmen leider immer noch existiert und die nichts anders macht, als Resourcen zu verbrennen und Mitarbeiter zu frustrieren. Diese Silos in den Köpfen der Menschen und in den Abteilungen der Unternehmen abzubrechen ist ein wesentlicher Bestandteil für das kreieren einer richtig fesselnden Customer Journey! Kunden fordern konsistente Kommunikation und umfassende Informationen in allen Kanälen. Wichtig ist es für jeden Verbraucher die richtige Journey zu kreieren, die ihn fesselt und die ihn mit all den Informationen versorgt, die er sich wünscht, um eine Kaufentscheidung treffen zu können. Diese Customer Journey wird man wiederum nicht mit Silos, weder im Denken, noch bei den Softwaresystemen erschaffen können. Vor allem für digitalen Content ist es wichtig eine „Single Source of Truth“ zu etablieren, die alle relevanten Kanäle mit den richtigen Medien, zur richtigen Zeit versorgen kann. Dies ist aus meiner Sicht der einzige gangbare Weg! Bedeuten soll dies allerdings NICHT, dass man sich die sprichwörtliche „Eier legende Wollmilchsau“ ins Haus holen soll. Damit sind Lösungen gemeint, die suggerieren, dass sie sämtliche Touch Points des gesamten Product Life Cycles und der Customer Journey abbilden können. Meine Erfahrung ist hier, dass diese Systeme dann zwar alles ein „bisschen“ können, aber nichts wirklich gut! Daher sollte auch beim Aufbau eines Omnichannel Stacks der Grundsatz „Best of Breed“ gelten. Unternehmen wählen dabei die jeweils beste Systemlösung für die einzelnen Bereiche und vor allem für ihr Unternehmen aus! Wenn ich mich hier wieder auf den DAM Markt beziehe, dann kann ich mit 100%iger Sicherheit sagen, dass es DIE beste Lösung nicht gibt. Es gibt nur immer die beste Lösung für die Anforderungen in einem bestimmten Unternehmen. Skeptisch, oder nutzlos, sehe ich daher Seiten lange Anforderungskataloge, die manchmal bei Ausschreibungen für DAM Systeme verwendet werden. Viel wichtiger ist es in diesem Fall ein paar ganz klare Szenarien zu definieren, die Prio A in dem jeweiligen Workflows der Unternehmen haben. Es bietet sich an, diese Szenarien nach dem Grundsatz von Scrum, als sogenannte User Stories zu definieren z.B.:

what is your story, question sign, message note in notepad „Als Fotograf auf Fotoreise, möchte ich im DAM nach dem Upload eine Leuchtischfunktion haben, mit der ich die besten Schüsse eines Motivs per Mausklick auswählen kann. Die ausgewählten Schüsse sollen im DAM mit einem farbigem Rahmen gekennzeichnet werden. Diese Vorauswahl beschleunigt den finalen Auswahlprozess enorm und verkürzt so die time2market“.

Mit dem Erstellen einiger solcher Stories kann man nun an Softwarehersteller herantreten und diese zur Demonstration ihrer Lösungen hierfür einladen. Reine Standarddemos sind meist nicht sehr zielführend, da man dann in der Regel zig mal eine, im Wesentlichen gleiche Vorführung, sehen wird.
Neben vielen Buzzwords, die ich benutzt habe, hat mein Blogbeitrag diesmal gleiche mehrere Bereiche angekratzt. Ein wichtiges Fazit für mich ist es nochmal herauszustellen, dass Silos, sowohl im Denken, als auch bei Software-, oder Systemlösungen heutzutage Fehl am Platze sind. Sie behindern und blockieren uns in jeglicher Hinsicht und müssen daher abgebaut werden. Ebenso wichtig ist mir der Auswahlprozess von Lösungen, die in einem Unternehmen ein Teil des Omnichannel Stacks werden sollen. Die Zeit in der Mann Seiten lange Excel Sheets mit etlichen Funktionen zur Ausschreibung verschickt hat ist meiner Meinung nach vorbei. Es geht vielmehr darum, die beste Lösung für die eigenen Anforderungen zu finden und dies gelingt indem man die wichtigsten User Stories identifiziert und definiert, deren Umsetzung dann von den Herstellern live präsentiert wird.

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